Neuropsychologie

Ziel der klinisch-neuropsychologischen Untersuchung ist eine umfassende qualitative und quantitative Prüfung und Beurteilung verschiedener kognitiver Funktionsbereiche (Wahrnehmung, Konzentration/Aufmerksamkeit, Lernen/Gedächtnis, Exekutivfunktionen, Sprache) sowie eine Beschreibung von Verhalten und Affekt. In unserer Abteilung werden die neuropsychologischen Untersuchungen hypothesengeleitet durchgeführt. Als Instrumentarium kommt ein Inventar standardisierter neuropsychologischer Testverfahren zum Einsatz, welche für den einzelnen Patienten individuell zusammengestellt werden. Die sich aus unserer Exploration ergebenden Befunde sind sowohl für klinische (z.B. Differentialdiagnose, Rehabilitationsindikation) als auch für alltagsbezogene Fragestellungen (z.B. Arbeitsfähigkeit, Fahreignung) relevant. Falls gewünscht, können nach der diagnostischen Untersuchung Empfehlungen für mögliche geleitete oder selbstständige neurokognitive Trainings (u.a. computergestützte Heimtrainings) zur Stimulation der (beeinträchtigten) Hirnfunktionen abgegeben werden. Bei Sprech- und Sprachstörungen führen wir auch logopädische Abklärungen und Therapien durch.

Merkblatt für Interessierte an einem klinischen Praktikum in der Neuropsychologischen Abteilung.

Spezialuntersuchungen

Neben den standardisierten formalen neuropsychologischen Untersuchungen bieten wir auch folgende Spezialabklärungen an:

  • Intraoperatives Sprachmonitoring bei Wachoperationen am Gehirn 
  • Verhaltensneurologische Bestimmung der Sprachlateralisierung in auditiver und visueller Modalität
  • Abklärungen allfälliger organischer Komponenten psychiatrischer Erkrankungen
  • Fahr- und Flugeignungsabklärungen

Spezialsprechstunden

Multiple Sklerose Sprechstunde

Die Multiple Sklerose/MS stellt in unseren Breitengraden die häufigste neurologische Erkrankung des jungen Erwachsenenalters dar. Es handelt sich bei der MS um eine chronische, entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, welche nebst motorischen, visuellen und sonstigen körperlichen Symptomen auch kognitive Schwierigkeiten verursachen kann. Gemäss jüngeren Studien sind Letztere in 40-70% aller MS-Patienten feststellbar und manifestieren sich z.B. als erhöhte Vergesslichkeit, verzögerte mentale Verarbeitungsgeschwindigkeit oder verminderte Ideenproduktion. In unserer Spezialsprechstunde prüfen wir das kognitive Leistungsvermögen betroffener Patienten umfassend, wobei insbesondere mitbeurteilt wird, inwieweit etwaige kognitive Schwierigkeiten durch eine, bei MS-Patienten ebenfalls häufig beobachtbare erhöhte Ermüdbarkeit/Fatigue oder eine affektive Verstimmung mitbedingt sein könnten. Basierend auf medizinischen Vorbefunden, anamnestischen Angaben, dem testdiagnostischen Leistungsprofil und Fragebogenwerten erfolgt im spezifischen Sprechstundenbericht eine neuropsychologische Standortbestimmung hinsichtlich des aktuellen kognitiven Leistungsvermögens eines Patienten. Darin enthalten sind - sofern indiziert -  Empfehlungen zur Therapieoptimierung, eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit oder eine Stellungnahme zum Krankheitsverlauf bei Nachfolgeuntersuchungen. Ansprechpersonen für diese Sprechstunde sind Frau Dr. Sarah Broicher (sarahdinah.broicher@usz.ch) und Frau Dr. Olivia Geisseler (olivia.geisseler@usz.ch). 

Sprechstunde Neuropsychiatrie / Körper- und Raumwahrnehmungsstörungen

Eine häufige Störung nach Hirnschädigung, vorwiegend nach rechtshemisphärischen Ereignissen, ist die Halbseitenvernachlässigung (Neglekt). Es gehört zu ihrer Natur, dass die damit verbundenen Alltagsbeeinträchtigungen den Betroffenen gar nicht oder in nur ungenügendem Umfang bewusst sind. Wir sind einerseits darauf spezialisiert, eine umfassende Beschreibung der einzelnen Komponenten des Neglektsyndroms zu geben, welche neben klinisch-diagnostischem Erkenntniswert grosse Praxisrelevanz hat.

Verbunden mit einem fehlenden Bewusstsein für die linke Raumseite können unterschiedliche Beeinträchtigungen in der Wahrnehmung von Körper und Selbst sein. Diese Störungen müssen oft erfragt werden, da Patienten aus Angst, für "verrückt" gehalten zu werden, oft nicht spontan davon berichten. Es ist meist die linke Körperseite, die etwa nicht mehr als zum eigenen Selbst gehörig erlebt wird, welche sich unter Verlust der bewussten Steuerung aggressiv gegen den Patienten wendet oder selber das Ziel von selbstschädigenden Handlungen wird. Verdoppelungserlebnisse und ausserkörperliche Erfahrungen gehören ebenfalls zu möglichen Begleitsymptomen einer Halbseitenvernachlässigung, obschon diese ätiologisch unspezifisch sind, das heisst auch bei anderen Erkrankungen des Nervensystems oder bei Hirngesunden vorkommen können.

Unsere Sprechstunde ist auch Anlaufstelle für Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten, die den Symptomen psychiatrischer Erkrankungen ähnlich sein können, ohne dass eine solche Erkrankung vorliegen würde. Beispiele sind "Stimmenhören", das Erlebnis des Gedankenlesen oder anderer "aussersinnlicher" Wahrnehmungen und Synästhesien. In solchen Fällen zielt unsere Beratung darauf ab, behandelbare Ursachen, am häufigsten eine Temporallappenepilepsie, ausschliessen zu können.
Ansprechpartner für diese Sprechstunde ist Prof. Dr. Peter Brugger (peter.brugger@usz.ch).

Wie gehe ich mit anderen um? - Spezialsprechstunde zur Diagnostik sozialer Kognition bei Erwachsenen

Der Umgang mit den alltäglichen Anforderungen des menschlichen Zusammenlebens hat viel mit sozialer Kompetenz zu tun. Denn diese bestimmt weitgehend, wie Menschen mit ihrem sozialen Umfeld interagieren und mit sich selbst umgehen. Ziel ist es dabei, sich seinen Mitmenschen gegenüber stets, im sozialen wie im emotionalen Sinne, angemessen zu verhalten, den richtigen Ton anzuschlagen und auch die Signale des Gegenübers zu verstehen. Beeinträchtigungen in der sozialen Kognition können verheerende Auswirkungen auf  die sozialen Beziehungen, das soziale Funktionieren, die Berufstätigkeit und Lebensqualität der Betroffenen haben. Wir führen eine ausführliche neuropsychologische, kompetenzorientierte Diagnostik sozialer Kognition durch, wobei sich unser Angebot  an Menschen mit sowohl neurologischen (z.B. traumatische Gehirnverletzung, Epilepsie) als auch psychischen Erkrankungen sowie Störungen der Persönlichkeit richtet. Dazu gehört auch die Definition von Zielen und Ansatzpunkten therapeutischer Massnahmen.
Ansprechperson für diese Sprechstunde ist Frau Dr. Sarah Broicher (sarahdinah.broicher@usz.ch).

Auskunft und Anmeldung

Prof. Dr. phil. Peter Brugger
UniversitätsSpital Zürich
Klinik für Neurologie
Neuropsychologie
Frauenklinikstrasse 26
8091 Zürich

Tel. +41 44 255 55 11
Fax +41 44 255 12 60

Untersuchungsort

Zurzeit finden alle ambulanten Untersuchungen im Haus Sonneggstrasse 6, im Stock A oder Stock B, statt.

So erreichen Sie uns

Ab Zürich Hauptbahnhof mit dem Tram Nummer 10 Richtung Flughafen und ab Bellevue mit dem Tram Nummer 9 Richtung Hirzenbach bis Haltestelle ETH/UniversitätsSpital. Das Parkhaus (mit begrenzten Parkmöglichkeiten) befindet sich im Gebäude NORD2.

Das Team

Prof. Dr. phil. Peter Brugger
Leiter Neuropsychologie / Head neuropsychology
Tel. +41 44 255 55 70
Fax +41 44 255 12 60
peter.brugger@usz.ch

Prof. Dr. med. Hans Jung
Ärztlicher Leiter Neuropsychologie / Medical head neuropsychology
Tel. +41 44 255 55 11
Fax +41 44 255 12 60
hans.jung@usz.ch

Dr. phil. Sarah Broicher
Neuropsychologin
Tel. +41 44 255 55 77
Fax +41 44 255 12 60
sarahdinah.broicher@usz.ch

Dr. phil. Olivia Geisseler
Neuropsychologin
Tel. +41 44 255 55 73
Fax +41 44 255 55 27
olivia.geisseler@usz.ch

Evelyn Unterburger M.Sc.
Neuropsychologin
Tel. +41 44 255 86 30
Fax +41 44 255 12 60
evelyn.unterburger@usz.ch

Manuela Omlin
Mitarbeiterin Neuropsychologie
Tel. +41 44 255 86 30
Fax +41 44 255 12 60
manuela.omlin@usz.ch

In der Abteilung für Neuropsychologie arbeiten zusätzlich ein postgraduierter Neuropsychologe sowie ein Rotationsassistent der Klinik für Neurologie. Letzterer führt, unter kaderärztlicher Supervision, auch körperlich-neurologische Untersuchungen z.B. bei Patienten nach Schädel-Hirn-Trauma oder mit Verdacht auf Demenz durch.